Da die Zukunft von MySQL unter keinem all zu günstigem Stern steht, überlegen sich viele, auf ein anderes System auszuweichen. PostgreSQL scheint dafür wie geschaffen, auch wenn man sich vielleicht von vermeintlich hohen Einstiegshürden abschrecken lässt. Mit dem Buch PostgreSQL von Andreas Scherbaum wird man jedoch von dieser Angst befreit.
Satte 15 Kapitel und einen Anhang mit vielen nützlichen Bespielen zu den Themen Deadlock, libpq, PHP und mehr umfasst das Buch, der Aufbau ist dabei logisch und konsequent. Nach dem Kapitel zur Installation unter Windows und Unix-artigen Systemen, bei dem der Autor auch darauf eingeht, wie PostgreSQL aus den Sourcen kompiliert werden kann, folgen umfangreiche Kapitel zur Konfiguration und Benutzerverwaltung und –authentifizierung. Im Anschluss geht Scherbaum auf Programme und Anwendungen ein. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf die üblichen Verdächtigen wie pgAdminIII und psql sondern erklärt unter anderem auch, wie man mit OpenOffice eine Verbindung zu PostgreSQL herstellt oder wie man mit Nagios die Funktionalität der Datenbank überwacht.
Im sechsten Kapitel widmet sich Scherbaum den Datentypen. Von den Standards wie numerischen Datentypen geht es über die Erklärungen von Sequenzen und dem Object-Identifier-Datentyp bis hin zu Operatoren und Casts. Spätestens an diesem Punkt beginnt man, sich von den Feinheiten von PostgreSQL in den Bann gezogen zu fühlen. Ein Interesse, das die folgenden Kapitel nur noch bestärken. Neben einem Kapitel über Erweiterungen, in dem unter anderem auf Tablespaces, Transaktionen und Volltextsuche eingegangen wird, findet man ausführliche Kapitel zu VACUUM und ANALYZE, Client- und Serverseitiger Programmierung sowie zu den Themen Backup, Restore und Replikation.
Bis dahin lässt das Buch schon keine Wünsche offen, aber der Autor hat noch immer ein paar Joker in der Hinterhand. So widmet er ein Kapitel vollständig dem Umstieg von MySQL. Dabei geht er nicht nur auf Syntax- und Funktionsunterschiede beider Datenbanken sondern auch auf die verschiedenen Datentypen und Skripte zur Portierung von Anwendungen ein. Den Abschluss bilden zwei Kapitel mit den Titeln Erweiterte Konfiguration und Häufig gestellte Fragen, in dem SQL-Injections ebenso ein Thema sind wie die Speicherung von ISBN-Nummern oder das Ermitteln aktuell laufender Anfragen. Lediglich das Kapitel zur Performance-Optimierung kann die bis dahin gewachsenen Erwartungen nicht vollständig erfüllen. Vielleicht waren neun Seiten dafür etwas knapp veranschlagt. Es wird zwar oft auf andere Stellen im Buch querverwiesen, dennoch hat man hier das einzige mal das Gefühl, dass man mehr hätte erfahren können. Dieser Ausrutscher sei ihm jedoch verziehen.
Wer sich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt, in PostgreSQL ein- oder von MySQL auf PostgreSQL umzusteigen, der kommt an diesem Buch nicht vorbei. PostgreSQL von Andreas Scherbaum bietet einen umfangreichen Einstieg mit vielen nützlichen Einsichten, der für Fortgeschrittene Anwender in einigen wenigen Abschnitten vielleicht zu sehr auf Anfänger ausgerichtet ist – aber die kann man bei Bedarf getrost überspringen.



