
Steve Lohr, Kolumnist der New York Times und Co-Autor des Buches „U.S. vs. Microsoft”, bietet mit “Go To” einen tiefen Einblick in die Evolution der Programmierung und der Entwicklung vieler Technologien, die noch heute maßgeblich die IT-Industrie prägen. Während heutige Programmierer, die ihre IT-Sozialisation im PC-Zeitalter erfahren haben, sich die einst riesigen Computeranlagen, die Time-Sharing-Systeme, zu denen nur wenige Programmierer überhaupt Zugang hatten, und Lochkarten kaum noch vorstellen können, werden sie bei Lohr wieder zum Leben erweckt – nicht als antiquierte Relikte, sondern als der Anstoß für heutige Entwicklungen. Fortran und Cobol, aus heutiger Sicht ein wenig angestaubt und von vielen gehasst, aber dennoch nach wie vor im Einsatz, gehören beispielsweise zu diesen Meilensteinen der Programmierkunst.
Lohr zeichnet eine Chronologie der IT-Evolution, die sich ausgehend von diesen beiden Sprachen über Unix und C, Basic und Visual Basic, Algol, Pascal und C++ bis hin zu Java und dem Ansatz des Open Source Developments sukzessiv ihren Weg bahnte. Dabei lässt er die Protagonisten von einst und heute zu Wort kommen, die mit ihren Statements verdeutlichen, wie spezifisch die verschiedenen, heute noch parallel verwendeten Sprachen und Technologien konkrete Probleme einer konkreten Zeit abbilden.
Hält man sich diese Entwicklungshistorie vor Augen, verlieren die Marketingkampagnen großer Unternehmen für neue Technologien – bestes Beispiel ist die gegenwärtige Web Services-Hysterie – deutlich an „Besonderheit“, denn jede Zeit hat ihre Technologien. Das Sun-Mantra „The network is the computer“ klingt heute abgeschmackt, war jedoch vor der Einführung von Java die visionäre Fortführung der damals neuesten Netzwerktechnologien und des stetig wachsenden Internets.